Aktualisierungsdatum
Autor
Lea Neu
Lesedauer
10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Solardachziegel sind Dachpfannen und Solarmodule in einem. Sie erzeugen Strom und schützen Ihr Haus gleichzeitig vor Witterungseinflüssen.
  • Ästhetik: Ihre größte Stärke ist die unauffällige Optik, die sich nahtlos in das Dachbild einfügt. Das macht sie ideal für denkmalgeschützte Gebäude und anspruchsvolle Designs.
  • Wirtschaftlichkeit: Die Kosten für Solardachziegel sind in der Regel höher als bei einer klassischen Aufdach-Anlage. Ihr Einsatz ist vor allem bei einem Neubau oder einer kompletten Dachsanierung sinnvoll.
  • Leistung: Der Wirkungsgrad pro Quadratmeter ist meist etwas geringer als bei herkömmlichen Solarmodulen. Sie benötigen also potenziell mehr Dachfläche für die gleiche Leistung.

Was sind Solardachziegel genau?


Stellen Sie sich vor, Ihre Dacheindeckung produziert Strom, ohne dass man es ihr ansieht. Genau das machen Solardachziegel möglich. Es handelt sich dabei um speziell geformte, kleine Solarmodule, die das Aussehen und die Funktion von klassischen Dachziegeln haben. Anstatt eine Photovoltaikanlage auf das bestehende Dach zu montieren, ersetzen die Solarziegel die herkömmlichen Ziegel und bilden eine homogene, stromerzeugende Dachhaut. Sie bestehen meist aus robusten Trägermaterialien wie Keramik oder speziellen Verbundstoffen, in die die Solarzellen integriert sind. Je nach Hersteller sind sie in verschiedenen Farben wie klassischem Ziegelrot oder modernem Schiefergrau erhältlich, um sich perfekt in das Gesamtbild einzufügen.

Wie die unsichtbare Solartechnik funktioniert

Die Funktionsweise von Solardachziegeln ist im Kern identisch mit der von normalen Photovoltaikmodulen. Die integrierten Solarzellen fangen das Sonnenlicht ein und wandeln es in Gleichstrom um. Jeder Ziegel ist über ein Stecksystem mit den Nachbarziegeln verbunden. Diese Stränge werden dann zu einem Wechselrichter geführt. Der Wechselrichter wandelt den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um, den Sie direkt in Ihrem Haushalt nutzen, in einem Stromspeicher sichern oder ins öffentliche Netz einspeisen können. Der entscheidende Unterschied liegt in der kleinteiligen Verkabelung, die den Installationsaufwand erhöht.

Beispielbild von Hochleistungs-Solarzellen als Dacheindeckung, die Sonnenlicht effizient nutzen und die Zukunft der Solarenergie darstellen.

Wirkungsgrad und Leistung der solaren Dachziegel

Moderne Solarmodule erreichen heute einen sehr hohen Wirkungsgrad. Solardachziegel liegen hier pro Fläche meist etwas darunter. Während hochwertige Standardmodule eine Leistung von über 200 Watt pro Quadratmeter (Wp/m²) erzielen, bewegen sich Solardachziegel oft im Bereich von 100 bis 150 Wp/m². Der Grund dafür liegt in der Bauweise: Da die Ziegel flach in die Dachhaut integriert sind, können sie nicht immer im optimalen Winkel zur Sonne ausgerichtet werden, wie es bei aufgeständerten Modulen möglich ist. Das bedeutet, Sie benötigen eine größere Dachfläche, um die gleiche Gesamtleistung wie mit einer herkömmlichen Anlage zu erzielen. Für Dächer mit begrenztem Platz, die eine maximale Stromausbeute anstreben, sind sie daher nicht immer die erste Wahl.
 

Für wen lohnen sich Solardachziegel wirklich?

Solardachziegel sind eine Nischenlösung für spezielle Anwendungsfälle. Sie sind die perfekte Wahl für Sie, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:
 

  • Neubau: Sie planen ein neues Haus und legen größten Wert auf eine makellose Optik.
  • Dachsanierung: Ihr Dach muss ohnehin komplett erneuert werden, sodass Sie die Kosten für die normale Eindeckung einsparen.
  • Denkmalschutz: Sie wohnen in einem denkmalgeschützten Gebäude, bei dem sichtbare Solarmodule auf dem Dach nicht erlaubt sind.
  • Komplexe Dacharchitektur: Ihr Dach hat viele Gauben, Winkel oder unterschiedliche Flächen, auf denen die Montage großer Standardmodule schwierig wäre.
  • Ästhetik vor Preis: Ihnen ist das Design Ihres Hauses wichtiger als die maximale Wirtschaftlichkeit der Solaranlage.
    Für alle anderen Fälle ist eine klassische Aufdach- oder Indach-Photovoltaikanlage oft die wirtschaftlich sinnvollere Alternative.
     

Häufig gestellte Fragen zu Solardachziegeln

Nein, Solardachziegel eignen sich primär für Steildächer mit einer bestimmten Neigung, ähnlich wie klassische Dachziegel. Für Flachdächer sind sie in der Regel ungeeignet. Die genauen Anforderungen an die Dachneigung variieren je nach Hersteller und sollten vorab von einem Fachbetrieb geprüft werden.

Die Lebensdauer und Leistungsgarantien von Solardachziegeln sind mit denen von hochwertigen Solarmodulen vergleichbar. Die meisten Hersteller geben eine Produktgarantie von 10 bis 15 Jahren und eine Leistungsgarantie von 25 Jahren auf über 80 % der Ausgangsleistung.

Ja, Solardachziegel werden staatlich genauso gefördert wie herkömmliche Photovoltaikanlagen. Sie können von der Einspeisevergütung für überschüssigen Strom sowie von zinsgünstigen Krediten, beispielsweise über das KfW-Programm 270, profitieren. Informieren Sie sich auch über regionale Förderprogramme Ihrer Gemeinde. Ein wichtiger Praxistipp: Förderanträge müssen in der Regel gestellt werden, *bevor* Sie den Auftrag an einen Handwerksbetrieb vergeben. Eine nachträgliche Beantragung ist meist nicht möglich.

Absolut. Eine Solardachziegel-Anlage lässt sich problemlos mit einem Stromspeicher und einer Wallbox für Ihr E-Auto kombinieren. Technisch funktioniert sie wie jede andere PV-Anlage und ermöglicht Ihnen, Ihren selbst erzeugten Solarstrom rund um die Uhr zu nutzen und Ihre Unabhängigkeit zu maximieren.

Die höheren Kosten entstehen durch mehrere Faktoren. Zum einen ist die Herstellung der integrierten Ziegel aufwendiger. Zum anderen ist die Installation komplexer: Statt weniger großer Module müssen viele kleine Ziegel einzeln verlegt und elektrisch miteinander verbunden werden. Dieser Mehraufwand bei Material und Arbeitszeit spiegelt sich im Endpreis wider.