Aktualisierungsdatum
Autor
Lea Neu
Lesedauer
10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Virtuelles Stromkonto: Eine Stromcloud ist kein physisches Gerät, sondern ein virtuelles Konto, auf das Sie überschüssigen Solarstrom „einzahlen“ und bei Bedarf wieder „abheben“.
  • Saisonale Speicherung: Im Gegensatz zu einem Heimspeicher überbrückt die Stromcloud ganze Jahreszeiten. So kann im Sommer erzeugter Strom im Winter genutzt werden.
  • Anbietervertrag nötig: Um eine Stromcloud zu nutzen, benötigen Sie eine Photovoltaikanlage, einen Smart Meter und einen speziellen Vertrag mit einem Cloud-Anbieter.
  • Oft in Kombination: Viele Stromcloud-Modelle setzen einen kleinen physischen Batteriespeicher voraus, der den täglichen Bedarf puffert. Die Cloud dient dann als Ergänzung.

Was ist eine Stromcloud und wie funktioniert sie?

Stellen Sie sich vor, Ihre Photovoltaikanlage produziert an einem sonnigen Sommertag weit mehr Strom, als Sie verbrauchen können. Ihr Heimspeicher ist bereits voll. Anstatt diesen wertvollen überschüssigen Solarstrom für eine geringe Vergütung ins Netz einzuspeisen, leiten Sie ihn in eine Stromcloud. Technisch gesehen speisen Sie den Strom zwar ins öffentliche Netz ein, Ihr Anbieter schreibt Ihnen die eingespeiste Menge aber auf einem virtuellen Stromkonto gut. Wichtig zu verstehen ist: Der Begriff „Cloud“ ist bildlich gemeint. Es handelt sich um ein bilanzielles Modell, bei dem Ihr eingespeister Strom mit später bezogenem Strom verrechnet wird – nicht um eine physische Speicherung der Elektronen. Wenn Sie später Energie benötigen, etwa nachts oder an einem wolkigen Wintertag, beziehen Sie Strom aus dem Netz. Diese bezogene Menge wird dann mit Ihrem Guthaben in der Stromcloud verrechnet. So nutzen Sie Ihren eigenen Solarstrom zu 100 %, auch wenn er Monate zuvor erzeugt wurde.

Bild einer Wolke mit Vernetzung das symbolisch Energie darstellen soll.

Nicht jede Cloud ist gleich: Die wichtigsten Modelle

Auf dem Markt haben sich im Wesentlichen zwei Konzepte etabliert. Das Standardmodell funktioniert wie ein virtuelles Stromkonto, für das eine monatliche Grundgebühr anfällt. Eine Alternative dazu sind Modelle, die auf Regelenergie basieren. Hier stellt der Anbieter die Kapazität Ihres (oft vorausgesetzten) Heimspeichers dem öffentlichen Netz zur Stabilisierung zur Verfügung. Als Gegenleistung für diese netzdienliche Nutzung können die monatlichen Grundgebühren für die Cloud-Funktion deutlich geringer ausfallen oder sogar komplett entfallen.

Stromcloud vs. physischer Stromspeicher: Der direkte Vergleich

Obwohl beide Systeme das Ziel haben, Solarstrom zu speichern, unterscheiden sie sich grundlegend. Ein Stromspeicher ist eine Batterie bei Ihnen zu Hause. Er speichert den Strom direkt vor Ort und macht Sie für kurze Zeit, etwa über Nacht, unabhängig. Seine Kapazität ist jedoch begrenzt. Eine Stromcloud hingegen nutzt das öffentliche Stromnetz als riesigen, unbegrenzten Puffer. Sie ist ideal, um saisonale Schwankungen auszugleichen – also den Überschuss aus dem Sommer für den Winter zu sichern. Viele moderne Energiekonzepte kombinieren beides: einen kleinen Heimspeicher für den täglichen Ausgleich und eine Stromcloud für die langfristige Speicherung.

 

Für wen lohnt sich eine Stromcloud wirklich?

Eine Stromcloud ist besonders dann eine überlegenswerte Option, wenn Sie Ihren Eigenverbrauch maximieren und eine möglichst hohe Autarkie erreichen möchten. Ihre größte Stärke spielt sie aus, um die sogenannte „Winterlücke“ zu schließen – also den saisonalen Engpass, in dem die Photovoltaikanlage wenig Ertrag liefert, der Strombedarf aber hoch ist. Insbesondere wenn Sie Großverbraucher wie eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto betreiben, hilft eine Stromcloud, den teuren Zukauf von Netzstrom in der dunklen Jahreszeit zu vermeiden, indem Sie auf Ihr im Sommer angespartes Guthaben zurückgreifen

 

Die Vorteile und Nachteile einer Stromcloud im Überblick

Wie jede Technologie hat auch die Stromcloud klare Vor- und Nachteile, die Sie für Ihre Entscheidung kennen sollten.

Vorteile:

  • Unbegrenzte Kapazität: Sie können theoretisch unendlich viel Strom speichern und saisonale Lücken schließen.
  • Kein Platzbedarf und keine Wartung: Da es kein physisches Gerät ist, sparen Sie Platz und Wartungskosten.
  • Maximale Nutzung des Solarstroms: Nahezu 100 % Ihres erzeugten Stroms können selbst genutzt werden.

Nachteile:

  • Monatliche Gebühren: Für die Nutzung der Cloud fallen in der Regel monatliche Grundgebühren an.
  • Abhängigkeit vom Anbieter: Sie sind an einen Vertrag und die Konditionen des jeweiligen Anbieters gebunden.
  • Keine echte Autarkie: Bei einem Stromausfall im öffentlichen Netz können Sie nicht auf Ihren Cloud-Strom zugreifen, anders als bei einem Heimspeicher.

Welche Kosten sind mit einer Stromcloud verbunden?

Die Kosten für eine Stromcloud setzen sich meist aus mehreren Komponenten zusammen. Die monatlichen Grundgebühren bewegen sich je nach Anbieter und Paketgröße typischerweise zwischen 20 und 60 Euro. Diese decken die Verwaltung Ihres virtuellen Stromkontos ab. Zusätzlich können Kosten für den bezogenen Strom anfallen, falls Ihr Guthaben aufgebraucht ist. Einige Anbieter verlangen auch eine einmalige Einrichtungsgebühr. Um die Wirtschaftlichkeit zu bewerten, sollten Sie diese laufenden Kosten der potenziellen Ersparnis durch den vermiedenen Zukauf von teurem Netzstrom im Winter gegenüberstellen. Zum Vergleich: Die einmaligen Investitionskosten für einen großen Batteriespeicher, der eine ähnliche saisonale Überbrückung leisten soll, können oft zwischen 6.000 und 10.000 Euro liegen.
 

Voraussetzungen für die Nutzung einer Stromcloud

Um eine Stromcloud nutzen zu können, müssen einige technische und vertragliche Voraussetzungen erfüllt sein. Die Basis ist selbstverständlich eine funktionierende Photovoltaikanlage. Zusätzlich benötigen Sie einen digitalen Stromzähler, auch Smart Meter genannt. Dieses Gerät misst präzise, wie viel Strom Sie ins Netz einspeisen und wie viel Sie beziehen. Dies ist für die exakte Abrechnung mit Ihrem Cloud-Guthaben unerlässlich. Schließlich müssen Sie einen Vertrag mit einem Energieversorger abschließen, der Stromcloud-Dienste anbietet. Oft ist die Stromcloud Teil eines umfassenderen Energiepakets, das auch einen physischen Stromspeicher beinhalten kann.

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Stromcloud

Das hängt vom Anbieter ab. Einige Modelle sind als reine virtuelle Speicher konzipiert. Die meisten führenden Anbieter setzen jedoch einen kleinen physischen Heimspeicher voraus. Dieser puffert den täglichen Bedarf und sorgt für Stabilität, während die Cloud als saisonaler Langzeitspeicher dient.

Ihr Stromguthaben ist meistens an den Vertrag mit Ihrem Cloud-Anbieter gebunden. Bei einem Wechsel verfällt das Guthaben in der Regel oder wird nach den Bedingungen des alten Vertrags abgerechnet. Ein Übertrag des Guthabens auf einen neuen Anbieter ist üblicherweise nicht möglich.

Physikalisch gesehen nicht. Sie erhalten Strom aus dem allgemeinen Strommix des öffentlichen Netzes. Die Stromcloud ist ein bilanzielles Modell. Das bedeutet, die Menge an Strom, die Sie einnehmen, wird mit der Menge verrechnet, die Sie zuvor eingespeist haben. Sie nutzen also den Wert Ihres Solarstroms, nicht die exakten Elektronen.

Strom, den Sie in die Cloud einspeisen, wird nicht zusätzlich über die Einspeisevergütung nach EEG vergütet. Das Modell der Stromcloud ersetzt quasi die klassische Einspeisung. Sie tauschen die geringe Vergütung gegen die Möglichkeit, Ihren Strom später selbst zu nutzen und so teuren Netzstrom zu sparen.

Ja, die meisten Anbieter staffeln ihre Angebote in verschiedene Pakete. Diese unterscheiden sich oft in der Höhe der monatlichen Grundgebühr und der Menge an Freistrom, die Sie pro Jahr aus der Cloud beziehen können. Die Wahl des richtigen Pakets hängt von Ihrem Jahresstromverbrauch und der Größe Ihrer PV-Anlage ab.

Ja, der Hersteller SENEC ist einer der führenden Anbieter von virtuellen Stromspeichern in Deutschland. Mit der SENEC Cloud können Sie Ihren überschüssigen Solarstrom speichern und jederzeit darauf zugreifen. Die Cloud bietet dabei eine hohe Flexibilität, da der gespeicherte Strom nicht nur bei Bedarf genutzt werden kann, sondern auch eine Integration mit anderen SENEC-Produkten wie dem Batteriespeicher ermöglicht. Mit der SENEC Cloud können Sie Ihre Energiekosten optimieren und so Ihre Autarkie steigern, indem Sie weniger Strom von Ihrem Energieversorger beziehen müssen. Die Cloud-Plattform stellt eine detaillierte Analyse Ihres Stromverbrauchs und der gespeicherten Energie zur Verfügung, sodass Sie Ihre Energienutzung noch gezielter steuern können.